Anatomie

Das olfaktorische System:



Die Nase besteht aus der Nasenhöhle, die durch die Nasenscheidewand in zwei Hälften getrennt ist. Seitlich teilen knöcherne Nasenmuscheln die Nase in einen oberen, einen mittleren und einen unteren Nasengang ein. Vom mittleren Nasengang aus gehen Öffnungen zur Stirn- und zur Nasennebenhöhle ab. Zur Schädelhöhle hin ist die Nasenhöhle durch das Siebbein getrennt, einer gelochten Knochenplatte, durch die die Nerven des Riechhirns zu den Riechzellen (Riechepithel) ziehen.

Nase, Nasennebenhöhlen und Muscheln sind mit Schleimhaut ausgekleidet.
Die Schleimhaut dient mitunter der Befeuchtung der Luft und dem Herausfiltern von Partikeln. In der Region, wo Riechepithel ist, dient der Schleim zusätzlich der Bindung von Geruchsmolekülen.

Die eingeatmete Luft strömt durch die Nasenhöhlen, in die Nasennebenhöhlen und in die Stirnhöhle (Sinus maxillaris und ethmiodalis, frontalis, sphenoidalis).
Die Nasennebenhöheln vergrößern sich mit zunehmendem Alter.
Bei Allergien oder Infektionen wird vermehrt Schleim produziert->Schnupfen. Der Tränen-Nasen-Gang mündet in der Nasenhöhle, er dient dem Ablauf überschüssigen Tränensekrets. Bei Verlegung des Ganges ist dieser Ablauf nicht mehr gewährleistet, als Folge „tränen“ die Augen.


Die Gesichtsform bestimmt Durchstromzeit und -menge der Luft auf der Riechschleimhaut
(nach Vadurel, 1995)

Einfluss der Rasse und Größe auf das Geruchsvermögen


Jacobson´sches Organ:
Beim Hund und vielen anderen Tieren gibt es das Vomeronasal-Organ: ein kleiner Kanal beginnt hinter den Schneidezähnen im Gaumen und verläuft auf dem Boden der Nase. Auch hier befinden sich Riechzellen.
Diese sind direkt mit dem Riechhirn und dem Limbischen System verbunden. Das limbische System ist eines der ältesten Zentren im Gehirn, das für die Entstehung von Gefühlen, Triebverhalten und die Bindung von Hormonen verantwortlich ist.
Wenn das Organ z.B. vom Hund benutzt wird, sind Zähneklappern, Geräusche und Speichelspuren aus dem Maul zu beobachten.
Beim Menschen existiert dieses Organ in der Embryonalzeit und bildet sich im Laufe der Entwicklung ganz zurück bzw. verbleibt nur rudimentär.

Riechepithel
Das Riechepithel besteht aus Stützzellen und Basalzellen (dienen der Stütz- und Ernährungsfunktion), Sinneszellen und zahlreichen Schleimdrüsen (Bowmannsche Drüsen). Die Riechzellen (Rezeptorzellen) haben an ihrer Spitze Härchen (Zilien), welche in die Schleimschicht hereinragen, an ihrer Basis geht die Zelle in Nervenfortsätze über. Die Nervenfortsätze werden zu den Riechnerven gebündelt und ziehen durch das Siebbein zu den Riechkolben (Bulbus olfactorius), einem Bestandteil des Gehirns, wo sie verschaltet werden (s.o.).


Alle 4-6 Wochen werden die Riechzellen erneuert. Die Riechzellen sind somit die einzigen Nervenzellen, welche neu gebildet werden.

Beim Menschen befindet sich das Riechepithel am Oberrand der oberen Muschel und gegenüber an der Nasenscheidewand. Es hat eine Größe von ca. 5cm2. Die Anzahl der Riechzellen wird - je nach Quelle- beim Menschen mit 10-30 Mio. angegeben.

Beim Hund befindet sich das Riechepithel in einem viel größeren Bereich: Die Größe der Riechschleimhaut wird mit 75 bis 150cm2 (je nach Größe des Hundes) angegeben. Sie befindet sich -unregelmäßig verteilt- in der gesamten Nasenhöhle, den Nasennebenhöhlen, im Bereich der Muscheln und sogar in der Stirnhöhle, vermehrt aber in der Nähe des Siebbeins.

Fakten:
Es sollen beim Hund ca. 230 Mio. Riechzellen sein (wobei diese Angaben von der Größe der Hunde abhängen). Die Geruchsempfindlichkeit des Hundes ist - je nach Stoff- bis zu 10 Mio. mal höher als beim Menschen. Die Differenzierungsfähigkeit von Duftstoffen ist beim Hund etwa um den Faktor -1000- besser als beim Mensch. Dieses ist nicht nur durch die Anzahl der Rezeptoren, sondern hauptsächlich durch die Art der Verschaltung verursacht.

Hunde haben die Fähigkeit einen bestimmten spezifischen Geruch in einer Umgebung mit vielen anderen Gerüchen ausfindig zu machen. Dies wird allgemein als Geruchsunterscheidung bezeichnet.

Im Bulbus olfactorius werden die Riechnerven in sog. Glomeruli verschaltet. An diesen Glomeruli setzen mehrere Mitralzellen (Schaltzellen) an, die mit höheren Hirnbezirken und mit der Gegeseite des Hirns in Verbindung stehen. Diese erheblich umfangreichere Art der Verschaltung macht die enorm hohe Geruchsauflösung und die Möglichkeit des räumlichen Riechens aus und unterscheiden den Makrosmatiker Hund vom Mikrosmatiker Mensch.


Erwin Scharrer, Prof. für Veterinär-Physiologie Uni Zürich:
"Beim Hund projizieren auf die nachfolgenden Nervenzellen sehr viel mehr Nervenfasern, die aus der Nasenschleimhaut stammen, als beim Menschen, und dadurch kommt es auch wieder zu einer Verstärkung. Wir haben also mehrere Amplifizierungsmechanismen, die hintereinander geschaltet sind und dazu führen im Endergebnis, dass der Hund millionenfach besser riecht."

 

 

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