Geruchsunterscheidung

Identifikationshunde

 

Geruchsunterscheidung

Da mein Hund aufgrund des fehlerhaften Aufbaus beim Trailen lange Zeit den Sinn des Geruchsartikels nicht verstanden hatte (was auch lange Zeit nicht auffiel…)
war es notwendig, hier eine Lösung zu finden.

Während des Trailens selbst war der Hund derartig motiviert und im Trieb stehend, dass ein Erlernen des „Anriechens“ am Start sinnlos war.
Daher habe ich die Geruchsdifferenzierung separat aufgebaut- völlig losgelöst vom Trailen.

Die Geruchsunterscheidung wird seit Jahren bei den Diensthunden eingesetzt.
Hier wird über den Spiel-und Beutetrieb gearbeitet.

Da mein Hund nicht zu den Spielzeugfetischisten gehört, habe ich die Geruchsunterscheidung über Leckerchen aufgebaut.

Ich habe einen etwas umständlichen Weg gewählt, wollte aber auf jeden Fall vermeiden, dass der Hund über Versuch und Irrtum zum Erfolg kommt, da unsere Hündin einfach nicht verstanden hat, dass es die Nase einzusetzen galt. Sie probierte das gesamte Clicker-Spektrum aus, statt die Verbindung GA-Topf zu bekommen. Beim Rüden wollte ich dieses unbedingt vermeiden (was auch geklappt hat...)

Als Behältnisse habe ich mich für Plastik-Quarktöpfe 500g entschieden

Dies ist sicherlich nicht optimal, da der Geruch im Plastik lange überdauert.
Daher habe ich die Behältnisse beschriftet. Gereinigt werden sie bei mir nach jedem Training in der Spülmaschine.

Holzgefäße oder Holzstäbchen lehne ich ab. Am besten sind Glas oder wie auch bei den professionellen ID-Hunden Metall.
Als GA nehme ich Papiertücher, welche ich zuerst mit einer Klemme gereicht habe und jetzt alternierend auch in einer Tüte präsentiere.

 

Und wenn man zu Hause zu lange geübt hat, dann spielen es die Kinder schon nach.....

1. Schritt:

Ziel: Nase einsetzen, Appetenzverhalten zu mit Leckerchen befülltem Topf zeigen,
Interesse am Geruchartikel bekommen

Hierzu nehme ich 3-4 Töpfe.
(Hintergrund: Hund soll nicht Anblick des Topfs mit Auslösen des Anzeigeverhalten
korrelieren!)

Ein Topf wird mit Wurst befüllt.

Ich lasse den Hund absitzen und zeige ihm einen GA mit Wurstgeruch. Der Hund wird aufmerksam dran schnuppern.
Dann gehe ich zu den Töpfen und tu, als wenn ich die Wurst auf einen Topf lege.
Dann gehe ich zum Hund zurück und lasse ihn zu den Töpfen laufen.

Sofort wird er riechen, dass in einem Topf Wurst drin ist und versuchen an diese Wurst zu gelangen.
Bestätigung erfolgt durch zügiges (!!) C&B und/oder durch Öffnen des Topfs.

Hund absitzen lassen.

Ich nehme das Wursttöpfchen heraus, ersetze es durch ein Töpfchen mit z.B. Katzenfutter, Leberwurst, Käse oder anderen Hundeleckerchen hohen Ranges.
Dann vertausche ich die Töpfe wie beim Hütchenspiel (ich nehme hierzu den Fuß, damit ich nicht mit Wurstfingern an den anderen Töpfen anfasse).

Nun bekommt der Hund z.B. den Katzenfutter-GA und darf zu den Töpfen, wo ihn das Katzenfutter erwartet.

Nach wenigen Einheiten wird der Hund

  • gerne an dem GA schnuppern (attraktiver Geruch)
  • dynamisch zu den Töpfen starten
  • systematisch die Töpfe abschnuppern
  • den richtigen Topf auf seine Art anzeigen

Hat man Glück, hat der Hund hierbei schon beim Anriechen die Assoziation, welche Bestätigung ihn erwartet.

2. Schritt:

Ziel: Anzeigeverhalten etablieren (Shaping)

Soll der Hund ein passives Anzeigeverhalten zeigen (Ablage) so baue ich dieses separat auf.

Das gewünschte Anzeigeverhalten setze ich in der Verhaltenskette „nach oben“. Ich nehme Leckerchen in die geschlossene Hand und lasse den Hund durch ausprobieren oder durch Kommando bei Zeigen des erwünschten Verhaltens „Platz“ erlangen.

Zeigt der Hund das „Platz“ für das Leckerchen schnell und ohne Zögern, so baue ich es beim „Topfspiel“ ein, indem ich den Topf nicht sofort bei erlernter Aktiv-Anzeige öffne, sondern einen Moment abwarte und schaue, was der Hund anbietet.

Damit der Hund dabei sich nicht selbst bestätigt, wenn er den Topf versehentlich öffnet, ist der Topf hierbei nicht befüllt (stinkt nach ein paar Einheiten eh genug).

Eigentlich begreifen die Hunde dieses Spiel schnell und gehen zügig ins Platz.

Ich biete hierbei wie gewohnt immer mehrere Töpfe zur Auswahl an, damit Hund nicht auf die Idee kommt, dass Topf?Ablage?Leckerchen bedeutet, sondern zuerst die Nase eingesetzt werden muss.

 

3. Schritt:

Ziel: Differenzierung Leckerchen vs. anderer (unattraktiverer) Gerüche

Hierzu bestücke ich nun die anderen Töpfe mit div Gerüchen, welche aber für den Hund bedeutungslos sind (Kaffee, Tee, Leder, Kartoffel, Apfel, Gewürze,..)

Der Hund registriert die Gerüche, ignoriert sie und sucht die Leckerchen.

 

4. Schritt:

Ziel: stufenweiser Abbau der Leckerchen, Suche und Anzeige von für den Hund unbedeutenden Gerüchen

Hierzu bestücke ich mehrere Töpfe mit einem anderen dominanten Geruch (z.B. Kamillentee) und füge Wurst /Wurstduft in absteigender Konzentration zu.

Zu Beginn zeige ich einen GA, welcher nach Tee und Wust riecht und lasse auch mehrfach eine Dose mit Wurst und Tee verweisen. Nach und nach wird die Wurstkonzentration in GA und im Topf gesenkt und zu guter Letzt wird ein Topf ohne Wurstduft-ausschließlich mit Kamille hingestellt.

Manche Hunde verweisen sofort den Kamillentopf, manche schnüffeln erst unsicher von einem Topf zum nächsten und zeigen dann unsicher an? bitte zügig bestätigen, auch wenn das Anzeigeverhalten unsicherer als gewohnt ist.

Auf dieselbe Art und Weise wird Hund an immer mehr zu suchende Gerüche herangeführt.

 

5. Schritt:

Ziel: Suche von bisher unrelevanten Gerüchen (ohne Aufbau über Leckerchen)

Nun tauscht man einen Topf aus und bestückt ihn mit einem für den Hund bis dahin nicht verwandten Geruch und stellt den Topf zwischen die „leeren“ Töpfe (Inhalt ohne Bedeutung, aber bekannt? bisher nicht zum Erfolg geführt) (Fremd unter Bekannt)

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Hund den Topf anzeigen (ggf. halt über Ausschlussprinzip, ggf. aber auch, weil er schon GA-passender Topf verknüpft hat)

Er kommt jedenfalls nicht über Versuch und Irrtum, sondern über die Nase zu Ziel.

Diesen Schritt würde ich häufig wiederholen, dabei zwischendurch den ein oder anderen Dummytopf gegen einen ebenfalls neuen Geruch austauschen. Spätestens jetzt funktioniert das Ausschlussprinzip nicht mehr. (Fremd unter Fremd)

 

6. Schritt:

Ziel: Differenzierung mehrerer Gerüche (welche sekundär eine Bedeutung erhalten haben)
(Bekannt unter Bekannt)

Nun wird dem Hund die Wahl zwischen mehreren bekannten Gerüchen gestellt.

 

7. Schritt „Showübung“

Differenzierung mehrerer Wurstsorten/Leckerchenarten

Oder

Differenzierung mehrerer menschlicher Gerüche

Oder

Differenzierung mehrerer Tee-/Wein- oder Biersorten

 

Beispiel:

10 Töpfe:

 

1. Bockwurst

2. Katzenfutter

3. Käse

4. Kartoffel

5. Möhre

6. Apfel

7. Oregano

8. Kamillentee

9. Schwarztee

10. Kaffee

 

1. Schritt

Topf 1-3 befüllen

Topf 4-7 leer

Zuerst Topf 1, 4, 5, 6, 7

Dann mehrfach tauschen

 

Nächste TE gleich anfangen

Dann wieder mehrfach tauschen

Und Topf 1 gegen 2 bzw. 3 austauschen

 

Ein paar TE weiter bei jeder Suche entweder 1, 2 oder 3 unter 4-7 verstecken

 

3. Schritt

genauso, dieses mal jedoch Töpfe 4-7 gefüllt

 

5. Schritt

neuen Topf 8 zwischen den Töpfen 4-7 verstecken

in der nächsten TE Topf 9 zwischen 4-7 verstecken

in der nächsten TE Topf 10 zwischen 4-7 verstecken

in der nächsten TE variieren zwischen Topf 8, 9 und 10, welche im Wechsel zwischen 4-7 versteckt werden

 

6. Schritt

Topf 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10 zu Auswahl stellen

Dabei jedoch immer den (korrekt gefundenen Topf herausnehmen, damit er keine Verleitung ist.)

Erst wenn das über einen längeren Zeitraum sicher klappt, die Töpfe, welche Erfolg gebracht haben, stehen lassen.

 

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