Mantrailing im Kontext

Einsatztaktik Mantrailing

Ein Mantrailer ist ein Hund, welcher die individuelle Spur eines Menschen verfolgt. Hierbei ist es egal, ob die Person durch Feld, Wald oder Wiese oder über einen belebten Marktplatz oder die Stadt gegangen ist. Der Mantrailer sucht dabei an einer langen Leine im Geschirr.


 

Mantrailing und Flächensuche

Mantrailer und Flächensuchhund sind sich ergänzende Einsatzmittel.

In den meisten Vermißtensuchen ist es sinnvoll, beide Sucharten parallel einzusetzen.
Es gibt Einsatzlagen, in denen Mantrailer bzw. Flächensucher als alleinige Mittel zur Verwendung kommen:Ist z.B. kein Geruchsartikel zu beschaffen, so kann ein Trailer nicht eingesetzt werden.
Bsp: Amokläufer verletzt mehrere Personen, Anzahl der Personen nicht bekannt, Gebiet soll nach möglichen Opfern durchsucht werden.
Wird eine Person im Stadtgebiet vermißt, so können Flächensuchhunde häufig nicht eingesetzt werden.

Aber auch bei einer solchen Einsatzlage sollten Flächensuchhunde vorgehalten werden, um Stellen mit dichtem Bewuchs, Hinterhöfe oder Parkanlagen entlang der Trail schnell und effektiv absuchen lassen zu können. Ein routinierter Flächensucher ist in der Regel zügiger im Ausarbeiten von Geruchspools oder erhöhten oder schlecht zugänglichen Personen.
Es kann vorkommen, dass ein Mantrailer nur wenige Meter am Versteck vorbei läuft, weil die Person einen Bogen gelaufen ist und die Spur halt weiterführt.

Wer zuerst?

Oft hört man vom Unmut von Flächensucher, dass der Einsatz sich verzögert, weil zuerst der Trailer startet.Verständlicherweise.

Ein gut ausgebildeter Trailer hat keine Probleme, die Spur zu verfolgen, wenn ein Flächensuchteam parallel dazu arbeitet. Sicherlich ist ein nicht kontaminiertes Gebiet einfacher, aber ein Hund, der es gewohnt ist, im Stadtverkehr zu trailen, sollte sich auch nicht durch ein Suchteam stören lassen.
Lediglich am Ansatz sollte der Weg frei sein (denn sonst kann es passieren , dass Hund auf eine alte Spur geleitet wird,( wenn z.B. viele Personen den Weg auf die frische Spur versperren).

Geruchsartikel:

Das A und O für einen erfolgreichen Mantrailing-Einsatz ist ein guter Geruchsartikel.
Anders ausgedrückt: mit einem falschen Geruchsartikel rennt der Hund kilometerweit der falschen Spur nach.

Kriterien für einen guten GA:

1. möglichst wenig Kontamination durch fremde Personen
2. möglichst viel Geruch von der gesuchten Person
3. möglichst frisch

Ideal sind körpernah getragene Sachen wie Unterwäsche, Hemd, Nachtwäsche.
Generell sind jedoch alle Dinge möglich, die die gesuchte Person (möglichst lange) angefaßt hat.
Bei der Auswahl des Geruchsartikels sollte man sich immer fragen, wer das Teil noch in der Hand gehabt haben kann.

So ist Bettwäsche nicht immer ideal, weil gerade in Pflegeheimen das Bett immer vom Pflegepersonal gemacht wird. Man will schließlich nicht dem Pfleger nach Hause folgen.

Wäsche aus Wäschesäcken oder Körben ist aus Kotaminationsgründen ebenfalls ungeeignet.

Stehen nur Geruchsartikel zur Verfügung, die durch Personen, die mit im Haushalt leben, kontaminiert sind, so müssen diese Personen beim Ansatz des Hundes zum Ausschließen vor Ort sein. Die Hunde sind in der Lage, herauszufinden, wer vor Ort ist und wer fehlt.

Wer sollte den Geruchartikel holen?

Am sinnvollsten ist es, wenn der Mantrailer-HF bei der Auswahl und Beschaffung des GA anwesend ist. Will man sich die Option freihalten, mehrere Mantrailer einzusetzen, so sollte das Aufnehmen und Verpacken des GA durch eine Person erfolgen, welche nicht durch das Suchgebiet läuft. Ideal ist ein Helfer, welcher ggf. am Ansatzpunkt zum Ausschluß zur Verfügung steht (EL?).

Negativbeispiel:

Mantrailer und MT-Helfer gehen zur Wohnung der vermißten Person, der Helfer nimmt den GA auf, teilt ihn und steckt die Teile in die durch den Trailer aufgehaltenen Tüten. Der GA riecht nur schwach und alt nach der vermißten Person. Das o.g Team sucht anschließend nach der Person. Ein zweites alarmiertes MT-Team bekommt eine der anderen Tüten---und folgt dem frischen Geruch des ersten Teams..........

Gummihandschuhe und Tüten sind keine Garantie für Sterilität! Faßt man von oben mit Gummihandschuhen in eine Tüte, fällt sicherlich auch Geruch von den Unterarmen mit in die Tüte. Und beim unfachmännischen Anziehen von Handschuhen gelangt auch eine Menge Duft außen an die Handschuhe.

Zur Aufbewahrung der Geruchartikel haben sich Gefriertüten mit Clip oder Zip-loc bewährt, dabei die Tüte nach Möglichkeit nur unten anfassen und in eine zweite Tüte stecken.

Idealerweise sollte man versuchen, mehrere GA´s in einzelnen Tüten zu bekommen.

Ist das nicht der Fall, so sollten direkt nach Beschaffung des GA Kopien erstellt werden, indem man sterile Kompressen zum GA in die Tüte fallen läßt und diese nach einer möglichst langen „Einwirkzeit“ dann separat verpackt.

Mehrere Trailer sinnvoll?

Ja, denn

  • ein Hund kann ermüden, erkranken oder sonst wie ausfallen
  • zur Validierung einer Richtung/Spur
  • zum Abklären von Zeugenaussagen (Hund am vermeintlichen Sichtungspunkt ansetzen)
  • zum Abschneiden von Teilstücken (einen Hund weiter im Verlauf der Trailrichtung ansetzen)
  • Gibt der Trailer eine Richtung vor?

    Ja und Nein!

    Ein Trailer ist auch „nur“ ein Hund und ist nie 100%ig.

    Die Aussage: „die Person muss da her gegangen sein“ nur weil der Trailer den Weg eingeschlagen hat ist grob fahrlässig.
    Zudem ist der Weg des Trailers nicht immer der kürzeste Weg zur Person.
    Gerade Demenzkranke oder Suizidkandidaten gehen nicht immer den direkten Weg. Die strategisch geplant eingesetzten Flächensuchhunde könnten eher am Ziel sein.
    Trailer und Flächensucher sollten sich ergänzen. Flächensucher in Richtung der Trail sind sinnvoll, aber ausschließlich dort eingesetzt, könnte es den Tod einer Person bedeuten, die sich in einem großen Halbkreis letztendlich in die dem Trailbeginn entgegengesetzte Richtung bewegt hat.

    Der Trailer hat eine Bitte an die EL:

    Wenn das gesamte Einsatzgeschehen direkt an die Stelle des Verschwindens ist (Einsatzleitwagen), dann hat der Trailer viel Mühe, den Ansatz auszuarbeiten......

     

    Und: wir Trailer sind immer dankbar über „Fremdopfer“ die uns mal die ein oder andere Trail legen.

     

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