Wie fange ich an?

Der Beginn:

Erste Ziele:

- Spuren verfolgen macht Spaß, führt zum Erfolg
- am Geruchsartikel schnuppern ist positiv, ist interessant
- Geschirr und Ritual bedeuten "trailen"
- Ankommen bei fremder Person (deren Spur ich gesucht habe) bringt Beute und Lob

Ich versuche immer, ganz ohne visuellen Reiz auszukommen, denn Hund soll ja mit der Nasse zum Erfolg finden und später nicht auf visuelle und akustische Reize reagieren.
Im Regelfall kommen nasenorientierte Hunde ohne Anreizen (d.h. sehen, dass eine Person wegläuft) aus.
Das Vorhandensein einer frischen Spur auf weichen Bodengrund erregt häufig Interesse beim Hund, so dass Hund von sich aus der Spur nachhängt.

 ABB Fährte

Die ersten Trails:

Geruchsartikel (groß) mit Leckerchen drauf liegt in der Nähe des Hundes.
Vom Geruchsartikel führt eine frische kurze Spur zu der versteckten Person.

Der HF macht den GA interessant für den Hund (schaut ihn selbst interessiert an und zeigt es dann dem Hund (-->Hund wird in Zukunft alles, was HF ihm zeigt, beriechen, da evtl. Leckerchen dort sein könnten).

ABB HF am GA

Danach lässt man den Hund gewähren. Er wird meist von sich aus die nähere Umgebung nach weiteren Leckerchen abschnüffeln.

Wenige Meter weiter auf der Spur liegt ein erneuter Geruchsartikel mit Leckerchen und noch etwas weiter noch ein Geruchsartikel (ohne Leckerchen). Hund wird quasi von alleine der Spur nachhängen (ähnlich wie beim Fährten).

Und plötzlich steht Hund vor der Person, die auch Leckerchen hat.--> Spur= Bestätigung

Bei der nächsten Spur wird der Hund schon zum Geruchsartikel ziehen, diesen filzen und dann der Spur nachhängen. intermittierend wird er nun mal ein Leckerchen, mal kein Leckerchen auf den Geruchsartikeln finden.

Parallel lernt Hund, auf Gegenstände von der Person zu achten (später kann man dann Gegenstandsverweis-Anzeigeverhalten aufbauen).

Von Anfang an lege ich keine geraden Spuren, sondern Bögen und Schlangenlinien (zu Beginn z.B. um natürliche Hindernisse herum), so dass Hund sich konzentrieren muss und gar nicht erst lernt, dass es lange Strecken geradeaus gehen kann.

Von Anfang an wird der Hund im variablen Winkel zum Geruchsartikel angesetzt (Hund soll erst gar nicht lernen, dass ein Losstürmen am Start zum Erfolg führt.
Dann wird der Geruchsartikel nicht mehr auf sondern im Abstand zur Spur gelegt, so dass der Hund sich den Spuranfang zeitig suchen soll.
Von Anfang an werden die Spuren so gelegt, dass natürliche Begrenzungen (Wege, Trampelpfade, Gebüsche,..) keine Leitstrukturen sind, sondern bewusst gekreuzt werden.

Ideal ist es, wenn man zu Beginn viele verschiedene Personen zum Verstecken motivieren kann (Hund lernt: Geruch des Geruchsartikel-->Spur-->Person)

Die Versteckperson wird bei uns die ersten Monate so versteckt, so dass Hund sie immer über den Geruch und bis zuletzt nicht über Sicht findet.

Schnell bauen wir sichtbare Verleitpersonen ein. Hund verknüpft, dass sichtbare Personen bedeutungslos sind.

ABB Verleitperson auf Trail

Als nächsten Schritt bauen wir scharfe Winkel ein bis hin zur Spitzkehre.
Ziel ist ein Hund, der sich selbst zügig korrigiert, wenn er die Spur verloren hat.

Danach wird der Hund mit Negativs am Spuranfang konfrontiert.

Ziel ist es, den Hund dahin zu bringen, dass er einen 10m Radius abcheckt und sich dabei sichtbar nicht für eine Richtung entscheidet und ein Übersprungsverhalten zeigt (hinsetzen, zu Herrchen gehen, stehen bleiben,..) welches man später zur Negativanzeige shapen kann.

  ABB Negativ  

Erst dann erachte ich es als sinnvoll, mit dem Hund in Innenstadtbereiche zu gehen, da er dort ständig mit Spurabbrüchen konfrontiert wird und im Weitersuchen ohne bzw. mit schwacher Witterung durch Widerauffinden der Spur bestätigt wird.

 

Als Übergang von gewachsenen Untergründen zum Asphalt gehen wir schon früh in Parks, Friedhöfe und Koloniesiedlungen mit begehbaren Hintergärten. Hier trifft man auch auf Verleitpersonen und Hunde und kann zudem leicht Fremdopfer aquirieren.
Schotterwege, Kopfsteinpflaster sind ebenfalls als Übergang hilfreich.
Altstädte mit engen Gassen sind dann der Übergang in die Stadt.

ABB Schwerte Altstadt

ABB Friedhof

ABB Siedlung

 

Nun zur praktischen Umsetzung

Das Startritual:

Es wird immer mit demselben Ritual begonnen.
Dabei ist es fast egal, welches Ritual man für sich und seinen Hund wählt.
Sinnvoll ist es, mit dem Hund vor der Arbeit zuerst eine Gassirunde zu gehen und dann in dem Bereich des Ansatzes den Hund die Umgebung zu erkunden lassen.
Hierbei kann Hund für sich schon hundlich interessante Gerüche aufnehmen, die ihn unserer Erfahrung nach dann beim Start weniger ablenken. Zudem kann er sich im Ansatzbereich orientieren.

Einige Varianten des eigentlichen Starts sind:
- Hund zum Anschirren und Anriechen und zwischen die Beine nehmen
- sich neben den Hund zu hocken

 

 

 

Einige Leute schirren den Hund über der geöffneten Tüte an, damit der Hund schon Geruch aufnehmen kann.

Ist der Hund jedoch zu hibbelig, ist es sinnvoll, den Geruchsartikel in etwas Entfernung zum Hund auf den Boden  zu legen und den Hund dann hin laufen zu lassen. Gerade beim jungen dynamischen Hund erweist sich das Anschirren in unmittelbarer Nähe zum (interessanten) Geruchsartikel als schwierig.
Oder man klemmt sich in diesem Fall den Hund zwischen die Beine.

ABB Casson in Leine stehend

Man ist also über/neben dem Hund und baut eine Erwartungshaltung/Spannung auf.
Was man dem Hund dabei „erzählt“, ist gleich.
Dann zeigt man den Geruchsartikel, lässt ihn beschnuppern und startet.

Sitzt das Ritual, so merkt / hört man dem Hund die Vorfreude an.

Kommando:

Es gibt Trailer, die für Anriechen und Starten zwei Kommandos geben, andere nehmen nur eines.
Ausreichend ist ein Kommando, da das Anriechen dem Hund schon vermittelt, dass er trailen darf. Meist reicht dem Hund eh das „Startritual“ als Ganzes.

      

Das Schlüsselwort sollte eines sein, welches man im Alltag nicht nutzt.

Nimmt man z. B. „such“ schon für Stöbersuche in der Wohnung oder nutzt es bei der Ballsuche, so sollte man beim Trailen besser ein anderes Signalwort geben.

Dann lässt man den Hund erst einmal mehrere Meter gehen, bis man ihm folgt, denn Hund soll sich für eine Richtung entscheiden. Ein zu schnelles Hinterhergehen kann den Hund auf die Spur drücken, obwohl er sich noch gar nicht sicher für eine Richtung entschieden hat.

Spätestens wenn der Hund nicht mehr in Spurrichtung angesetzt wird, kann es sein, dass er erst kreisen muss, um die Richtung herauszufinden.

 

Es ist unpraktisch, wenn man seinen Hund am Anfang immer in Spurrichtung ansetzt und immer straight hinterher geht. Dann hat man später einen Hund, der am Start immer erstmal geradeaus losschießt oder der sich für die Richtung entscheidet, in die der Hundeführer sicher folgt.

 

Merke:

  • Hund aus Auto-->Gassi
  • prescenting im Ansatzareal
  • Ansatz nicht immer in Spurrichtung
  • Geruchsartikel in herunter gerollter Tüte hinlegen
  • Hund zwischen die Beinen nehmen oder sich daneben hocken
  • anschirren
  • Spannung aufbauen
  • den Geruchsartikel zeigen und beim Beschnuppern das "Startsignal" geben
  • Hund eine Leinenlänge gehen lassen bevor man folgt
  • Dieses Ritual ist von der ersten Trainingsstunde an immer gleich.
    (mit dem Unterschied, dass in den ersten Trainingsstunden der Geruchsartikel mit Leckerchen bestückt schon da liegt und jemand den angeschirrten Hund hält).

    Die Spur:

    Bei den ersten Spuren lass ich den Hundeführer gar nicht wissen, wo es langgeht.
    So wird Hund nicht durch ihn beeinflusst und der Hundeführer verlässt sich auf seinen Hund und beobachtet den Hund, statt auf Markierungen zu achten.

    Die ersten Spuren haben eine Länge von ca. 25m. Gerade bei den ersten Spuren versuche ich, die Spuren so zu gestalten, dass Hund ohne jedwede Korrektur, Rückorientierung oder Beeinflussung zum Ziel kommt.

    Aber auch später noch gilt: jede Korrektur ist eine Korrektur zu viel.

     

    Der neugierige Hund hat also den Geruchsartikel gefilzt und hat von sich aus begonnen einer frischen Spur zu folgen.

    Überschießt er einen (zu Beginn natürlich stumpfen!) Winkel und verliert die Spur sichtbar, so halte ich als Mitläufer (die Person, die weiß, wo die Spur langgeht) den Hundeführer an bzw. lasse ihn auf der Stelle treten bzw. rückwärts gehen.

    Die Leine hindert den Hund am Vorwärts gehen in die "falsche" Richtung. Der motivierte Hund wird sich im Halbkreis (Leinenlänge = Radius) bewegen und dabei wieder auf die Spur kommen. Meist nimmt der Hund für alle sichtbar die Spur mit der meisten Witterung wieder auf. In diesem Moment geht man dann weiter.      

    Merke:

  • beim Überschießen auf der Stelle treten bzw. unter beibehalten der Leinenspannung (nicht ziehen!) rückwärts / seitwärts gehen und warten bis Hund sich wieder auf der Spur eingedockt hat
  • Anfängerspuren: ABB

    Das Ziel:

    Kommt der Hund an der Person an, so wird er diese anschauen.
    Die Person öffnet sofort die Leckerchendose und lässt den Hund fressen.
    Dabei wird der Hund vom Hundeführer gelobt und abgeliebelt.
    Gelegentlich lassen wir die Versteckperson nach Verfütterung der halben Bestätigung mit viel Aufheben wegrennen und gönnen dem Hund eine kurze Hatz.

    Merke:

  • Hund schaut Person an und stellt Suchverhalten ein--> sofortiges Beute geben
  • dabei Lob vom Hundeführer
  • anschließend Geschirr abmachen
  • auf dem Rückweg Hund sein lassen und nicht sofort ins Auto stecken sondern kurz schnüffeln und pieseln oder kurz spielen lassen
  • Diese Art der kurzen Trails (allerhöchstens 100m, eher kürzer) machen wir für mehrere Monate.

    Dabei werden nach und nach folgende Faktoren geändert /variiert

  • Ansatz zur Spurrichtung (schon beim zweiten Training wird der Hund im Winkel zur Spur angesetzt
  • Ansatz nicht mehr auf der Spur, sondern Abstand des Geruchsartikel bis auf 5m von der Spur entfernen (nach ca. 5. TE)
  • Winkel auf der Spur variieren (von Anfang an)
  • Wege kreuzen (ab der 2./3. TE)
  • Bodengründe wechseln (Waldboden, Wiese, Schotter,...)
  • Durchquerung von Hecken /atypischen Durchgängen (ab der 8.TE)
  • Verleitspuren (kreuz und quer)(auf der Trail ab der 2. TE, am Trailbeginn ab der 6.TE)
  • visuelle Ablenkungen (je nach Hund und Vorbildung)
  • auf der Spur stehen bleiben und den Hund sich gegen sich durchsetzen lassen (4. TE)
  • Zielsetzung: Aufgaben mit kalkuliert gesteigertem Schwierigkeitsgrad mit hoher Motivation und immer wieder gleichem Ritual selbständig und ohne Rückorientierung zu lösen.

    Steht der Hund hoch motiviert in der Leine und sucht sicher den Ansatz und auch Spuren mit rechten Winkeln, korrigiert sich dabei souverän selbst,
    dann bekommt Hund irgendwann einen bekannten Geruchsartikel in einem nicht frisch kontaminiertem Gebiet und wird erst einmal beobachtet.
    Die meisten Hunde zeigen sehr schön, dass sie keinen Spuranfang finden und zeigen somit ein Negativ.

    Ist das der Fall wird immer mal wieder ein solches Negativ eingebaut.

     

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